1. Was sind Ăberallstreichhölzer?
Es gibt zwei Bauarten von Streichhölzern: SicherheitszĂŒnder (âstrike on box") brennen nur an der speziell beschichteten ReibflĂ€che der Schachtel â und Ăberallstreichhölzer (âstrike anywhere", kurz SAW Matches), deren Köpfe an jeder ausreichend rauen FlĂ€che entzĂŒndet werden können: Stein, Beton, unglasierter Keramik, Jeansstoff, Schuhsohle, Nagelfeile.
Der Unterschied sitzt im Kopf: Beim SicherheitszĂŒnder liegt der Phosphor auf der ReibflĂ€che, beim ĂberallzĂŒnder direkt im Kopf. Möglich macht das die ungiftige ZĂŒndmasse auf Basis von Tetraphosphortrisulfid (âSesquisulfid") â 1898 von den französischen Chemikern Savene und Cahen nachgewiesen: nicht giftig, Köpfe nicht explosiv. Die Diamond Match Company erwarb 1900 das US-Patent und bot die Herstellung anderen Firmen an. Erkennbar sind Ăberallstreichhölzer am zweigeteilten Kopf: rote/rotbraune ZĂŒndmasse oben, heller Reibstreifen (weiĂ/blau) darunter.
Ăberallstreichhölzer (âStrike Anywhere") mit roten Köpfen; ReibflĂ€che auf der Schachtelseite (Foto: VR38DETT, Copyrighted free use, via Wikimedia Commons)
2. Warum sie ins Notfall-Set gehören
| Eigenschaft | Vorteil im Notfall |
|---|---|
| Kein Feuerzeug nötig | Kein Gas, keine Mechanik, kein langes Funkenschlagen wie beim Feuerstahl |
| ZĂŒndet ĂŒberall | Stein, Mauer, Kante, Beton â auch wenn die Schachtel fehlt |
| KĂ€lteunempfindlich | Keine Batterie, keine Elektronik â funktioniert auch bei Frost zuverlĂ€ssig |
| LagerfÀhig | Jahrzehnte haltbar, wenn trocken aufbewahrt |
| GĂŒnstig | Eine Schachtel mit 50â100 StĂŒck kostet wenige Euro |
3. Richtig anzĂŒnden
- Sicher halten: Am Holzschaft fassen, Kopf nie in Richtung Körper.
- Streifen: Mit dem Kopf weg vom Körper ĂŒber die raue FlĂ€che ziehen â zĂŒgig und fest, nicht knetend drĂŒcken.
- Geeignete FlÀchen: ReibflÀche der Schachtel, Beton, Ziegel, Flusskiesel, unglasierte Keramik, Feile. Ungeeignet: glatte FlÀchen wie Glas oder lackiertes Metall (zu wenig Reibung).
- Flamme nutzen: Brennendes Streichholz leicht hĂ€ngen lassen, dann das ZĂŒndmaterial (Kerze, Kocher, Feuerstelle) von unten anzĂŒnden.
- ZĂŒndaufbau: Erst feine Zunder (Birkenrinde, Wachs-Baumwolle), dann dĂŒnnere Zweige â niemals dicke Scheite direkt.
Die Flamme sitzt am Kopf â kurz abbrennen lassen, bevor der Zunder angesteckt wird (Foto: Jamie Street, CC0, via Wikimedia Commons)
4. Aufbewahrung: die fĂŒnf Grundregeln
| Regel | Warum | Umsetzung |
|---|---|---|
| Trocken halten | Feuchte Köpfe zĂŒnden nicht mehr zuverlĂ€ssig | Luftdichte Dose (Filmdose, Schraubdeckel-Glas); Silikagel-Beutel dazu |
| Von Reibung trennen | Sie entzĂŒnden sich an jeder rauen FlĂ€che â auch innen | Köpfe nach OBEN einsortieren, einzeln in Strohhalm/Röhrchen oder in Schlitzen fixieren |
| Vor Hitze schĂŒtzen | Starke Hitze (Prallsonne, Auto) kann die ZĂŒndmasse entflammen | KĂŒhl und dunkel lagern; nicht im Handschuhfach oder Sonnenlicht lassen |
| Reserve einplanen | Eine Schachtel ist zu wenig | Mindestens 2Ă 50â100 StĂŒck verteilt (Hauptlager + Bug Out Bag) |
| Von Kindern fernhalten | EntzĂŒndet sich an allem | AuĂer Reichweite/abschlieĂbar â wie Feuerzeuge behandeln |
5. Die wasserdichte Streichholzdose
Der Klassiker fĂŒr unterwegs: eine kleine Dose mit dichtem Deckel (Filmdose, Tabakdose, fertige Streichholz-Dosen mit ReibflĂ€che im Deckel). Profi-Trick: Köpfe nach unten in den BehĂ€lter â die ZĂŒndmasse bleibt so trocken, selbst wenn Wasser eindringt. Zwei Streifen der Original-ReibflĂ€che in den Deckel geklebt machen die Dose zum kompletten ZĂŒndset.
- Backups ergĂ€nzen: Feuerzeug (Gas), Feuerstahl (Magnesium), Sturmstreichhölzer (brennen trotz Wind/Regen ca. 10â15 Sekunden) â jedes deckt eine andere Ausfallursache ab.
- Feuerstarter: WachsgetrĂ€nkte WattebĂ€uschchen oder Birkenrinde dazulegen â damit geht die Streichholzflamme direkt auf.
6. Sicherheit: die drei wichtigsten Punkte
- Feuerstelle freimachen: Umkreis von trockenem, brennbarem Material rÀumen; Wind beachten; Feuer nie unbeaufsichtigt lassen.
- GrĂŒndlich löschen: Wasser/Erde/Sand, Glut wenden und nachprĂŒfen â Restglut hĂ€lt Stunden.
- Vorsicht bei Gas: Bei Kochern/Heizern erst auf Gasgeruch prĂŒfen â Ăberallstreichhölzer zĂŒnden sofort und ĂŒberall, auch dort, wo man es nicht will.
7. Checkliste: Feuer-AusrĂŒstung
- â Ăberallstreichhölzer: 2 Schachteln (50â100 StĂŒck) in wasserdichter Dose
- â Ersatz-ReibflĂ€chen (2 Streifen) im Deckel
- â Sturmstreichhölzer (brennen trotz Wind/Regen ca. 10â15 Sekunden)
- â Feuerzeug (Gas) + Feuerstahl als Backup
- â Feuerstarter: Wachs-Watte oder Birkenrinde
- â Silikagel-Beutel gegen Feuchtigkeit
8. Wusstest du schon?
- Die ungiftige Sesquisulfid-Masse (1898) rettete Streichholzfabriken den Ruf â vorher waren sie wegen weiĂem Phosphor berĂŒchtigt (âPhosphornekrose" der Arbeiterinnen).
- Die US-Post verbietet den Versand von Ăberallstreichhölzern (Klasse 4: brennbare Feststoffe) â kaufen kann man sie im Baumarkt/Hardware-Store.
- Im Flugzeug: Streichhölzer gehören ins aufgegebenen GepÀck, nicht ins HandgepÀck.
- Die QualitĂ€t variiert: Neuere Marken nutzen weniger ZĂŒndmasse am Kopf â Ă€ltere Schachteln zĂŒnden erfahrungsgemÀà zuverlĂ€ssiger.