1. Was ist Faulgas?
Faulgas (Biogas) entsteht, wenn organische Stoffe ohne Luft von Bakterien zersetzt werden. Es besteht aus ca. 50â70 % Methan (das Brennbare) und 30â50 % Kohlendioxid. Als Rohstoffe eignen sich: GĂŒlle und Mist, KĂŒchenreste (kein Fleisch in groĂen Mengen!), Grasschnitt, BlĂ€tter, verdauliche AbfĂ€lle. Der Rest nach der VergĂ€rung (âGĂ€rreste") ist ein hochwertiger DĂŒnger â nichts geht verloren.
2. Der DIY-Fermenter
- GefĂ€Ă: 200-L-Fass, IBC-Container oder Fass in Erdgrube â mit Deckel (aber: nicht druckdicht! Gas ĂŒber Schlauch ableiten)
- Einsatz (Impfmaterial): GĂŒlle oder mistigem Kompost â die Bakterien mĂŒssen von Anfang an dabei sein
- FĂŒttern: tĂ€glich/bestĂ€ndig kleine Mengen zerkleinerter organischer Abfall + Wasser (Brei-Konsistenz)
- Temperatur: 20â37 °C sind der Sweet Spot; unter 15 °C bricht die Produktion stark ein (Winter: eingraben, kompostieren, sonnig aufstellen, isolieren)
- Gasabnahme oben, GĂ€rreste unten ablassen â kontinuierlich nachfĂŒllen, kein Druck aufbauen
Kleiner Biodigestor-Schemaaufbau (Foto: Miguel, CC0, via Wikimedia Commons)
3. Realistische Gasausbeute
| Substrat | Biogas | Hinweis |
|---|---|---|
| KĂŒchenreste (gekocht besser) | ca. 100â150 L pro kg | Zerkleinern! Knochen/Schalen langsam |
| RindergĂŒlle | ca. 20â30 L pro kg | Perfektes Impf-/TrĂ€germaterial |
| Grasschnitt | ca. 100 L pro kg | Schnell verfĂŒgbar, saure ĂbersĂ€uerung vermeiden |
Zum Vergleich: Eine 200-L-Trommel liefert je nach FĂŒtterung nur wenige hundert Liter pro Woche. 1 mÂł Biogas entspricht ca. 2 kWh Strom oder ca. 6 kWh WĂ€rme. FĂŒr 1â2 Stunden Kochen am Gaskocher brauchst du ca. 0,5â1 mÂł am Tag â das ist ein ernsthaftes Projekt, kein Nebeneffekt.
4. Nutzen: Kochen, Licht, Strom
- Kochen: Gaskocher mit gröĂerer DĂŒse (Biogas hat weniger Heizwert als Flaschengas) und Luftgemisch einstellen â Biogas-Kocher gibt es fertig.
- Beleuchtung: GasglĂŒhlicht (wie historische Gaslaternen) â ohne Strom!
- Strom: kleiner Generator mit Gasmotor (BHKW) â erfordert Motor-UmrĂŒstung/-Einstellung, Fachwissen.
- WĂ€rme: Brennkammer/Heizspirale im GewĂ€chshaus â WĂ€rme bleibt als Nebenprodukt immer ĂŒbrig.
5. Speichern: niedriger Druck ist genug
Biogas speichert man nicht komprimiert, sondern unter minimalem Ăberdruck: Gassack (UV-fest), schwebende Glocke ĂŒber Wasser oder ein umgedrehtes Fass im wassergefĂŒllten Eimer. So viel wie nötig, so niedrig wie möglich â bei einem Leck fliegt nichts in die Luft, es entweicht nur langsam.
6. Sicherheit: die drei tödlichen Fehler
- HâS ignorieren: Schwefelwasserstoff riecht nach faulen Eiern â aber bei hoher Konzentration lĂ€sst der Geruch nach und ist tödlich! Fermenter öffnen nur mit Abstand, nie hineinbeugen, nie in geschlossenen RĂ€umen.
- Druckdicht verschlieĂen: Ein Fermenter ist kein DruckbehĂ€lter â er muss immer entlĂŒften können (Wassersperre/Sicherheitsventil), sonst birst er.
- FlammenrĂŒckschlag: WasserwĂ€sche oder RĂŒckschlagsicherung zwischen Speicher und Brenner â sonst zĂŒndet das Gas im Fermenter.
7. Winterbetrieb
- Produktion sinkt unter 15 °C stark â Fermenter eingraben, mit Kompost umgeben, schwarz anstreichen oder im GewĂ€chshaus platzieren
- WĂ€rmedĂ€mmung (Stroh, Alu-Isolierung) und kleine Solarabsorber auf der SĂŒdseite helfen
- Im Winter Reserve an Flaschengas einplanen
8. Checkliste: Biogas-Microsetup
- â Fermenter 200 Lâ1.000 L (Fass/IBC), entlĂŒftbar
- â Gasspeicher (Gassack/Schlauchspeicher) + Wassersperre
- â Biogas-Kocher oder umgerĂŒsteter Brenner (gröĂere DĂŒse)
- â Zerkleinerung (Schere/Mixer) fĂŒr KĂŒchenreste
- â HâS-Warnhinweis + Abstand zu GebĂ€uden
- â GĂ€rreste-Becken (DĂŒngerlager)
9. Wusstest du schon?
- In China liefen MillionenzĂ€hlungen einfacher Familien-Fermenter â Biogas aus Mist ist dort seit Jahrzehnten Alltagslösung fĂŒr Kochen und Licht.
- Bakterien arbeiten rund um die Uhr â auch nachts und bei Bewölkung. Das macht Biogas zur perfekten ErgĂ€nzung zur Sonne.
- Die GĂ€rreste sind ein vollwertiger DĂŒnger â der Kreislauf schlieĂt sich.